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11.04.2018, 15:00 Uhr

Klasse für Geisteswissenschaften, 586. Sitzung

Prof. Dr. Karl Ubl, Köln: Gesetzgebung ohne Juristen. Die karolingische Erneuerung des Frankenreichs

Gesetzgebung ohne Juristen. Die karolingische Erneuerung des Frankenreichs

Prof. Dr. Karl Ubl, Köln

Die karolingischen Könige und Kaiser hinterließen eine beeindruckende Fülle an Gesetzen und Verordnungen. Diese Gesetzgebung erreichte ihren Höhepunkt in den 100 Jahren unter der Herrschaft Karls des Großen, Ludwigs des Frommen und Karls des Kahlen. Der „Unterbau“ für ein solches Unterfangen war jedoch nicht vorhanden: Es fehlte eine wissenschaftliche Jurisprudenz, es fehlte ein ausgebildeter Juristenstand und es fehlte ein spezifischer Rechtsunterricht.

Wie konnte aber Gesetzgebung ohne diese Voraussetzungen ihre Wirkung entfalten? War das Bemühen um die normative Regulierung der Gesellschaft durch die Könige deshalb vergeblich? Wollten die Herrscher allein den Vorbildern der römischen Kaiser oder den Mahnungen ihrer kirchlichen Berater Genüge tun?Die karolingische Gesetzgebung – nur Ausdruck von Wunschdenken?

Dass eine solche düstere Beurteilung nicht zutreffen kann, belegt allein schon die massive Verbreitung und Streuung der handschriftlichen Überlieferung in weiten Teilen des Frankenreichs.

Es wurde tatsächlich vor Ort wahrgenommen und angeeignet, was die Herrscher auf ihren Versammlungen den Amtsträgern bekannt gemacht hatten. Gleichwohl ist es notwendig, die karolingische Gesetzgebung in ihrer Charakteristik neu zu bewerten, um ihr Funktionieren ohne den erforderlichen „Unterbau“ zu erklären.

Im Akademieprojekt zur Edition der fränkischen Herrschererlasse wurden dafür wichtige neue Erkenntnisse gewonnen, die im Vortrag erstmals vorgestellt werden.

 

Prof. Dr. Karl Ubl, 1973 in Wien geboren, studierte Geschichte, Historische Hilfswissenschaften und Philosophie in Wien und an der Harvard University.

Die Promotion erfolgte 1999 an der Ruprecht-Karls Universität Heidelberg, die Habilitation im Jahr 2007 an der Eberhard-Karls Universität Tübingen.

Seit 2011 ist er Professor für Mittelalterliche Geschichte an der Universität zu Köln und seit 2014 leitet er das Akademieprojekt zur Edition der fränkischen Herrschererlasse.

Gastprofessuren führten ihn nach Aix-en-Provence, Princeton und an die Ecole pratique des hautes études/Sorbonne.

Seine Publikationen umfassen Bücher zur Geschichte des Inzestverbots, zum Templerprozess und zum Karolingerreich. Zurzeit schreibt er an einem Buch über die Geschichte der Stadt Köln vom 5. bis zum 11. Jahrhundert.