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19.04.2018, 15:30 Uhr

Klasse für Ingenieur- und Wirtschaftswissenschaften, 112. Sitzung

Prof. Dr. Paul Heidhues, Düsseldorf: Vortrag 1 -- Konsumentenfehler und Marktwettbewerb; Prof. Dr. Marek Behr, Aachen: Vortrag 2 -- Ist Blut tatsächlich dicker als Wasser? Blutströmung und Blutschädigung in biomedizinischen Geräten

Vortrag 1: Konsumentenfehler und Marktwettbewerb

Prof. Dr. Paul Heidhues, Düsseldorf

Der Vortrag stellt verschiedene verhaltensökonomische Ansätze in der Wettbewerbsökonomie dar, in denen sogenannte „naive“ Konsumenten suboptimale Entscheidungen treffen. Oftmals können solche Entscheidungsfehler in einen einfachen Ansatz überführt werden, in dem der Konsument zu einem erwarteten Preis noch einen – für ihn völlig unerwarteten – Zusatzpreis zahlt. In einem einfachen Referenzmodell wird das klassische Argument, dass der Marktwettbewerb insbesondere naive Konsumenten schützt, hergeleitet. Daraufhin werden eine Reihe von realistischen Erweiterungen diskutiert, die zeigen, dass Konsumentenfehler auch bei vollständigem Wettbewerb sowohl zu unerwünschten Verteilungseffekten sowie erheblichen Effizienzverlusten führen können. Jedoch gibt es auch Marktumgebungen, in denen Konsumentenfehler zu aus einer Wohlfahrtssicht besseren Marktergebnissen führen. Am Ende des Vortrags werden einige Implikationen für die Wettbewerbs- und Konsumentenpolitik andiskutiert.

Prof. Dr. Paul Heidhues erhielt seinen PhD in Economics an der Rice University in Texas, USA und habilitierte an der Humboldt Universität zu Berlin. Der Deutsch-Amerikaner war von 2004 bis 2010 Professor für Wirtschaftstheorie an der Universität Bonn, von 2010 bis 2016 Professor an der European School of Management and Technology (ESMT) in Berlin und ist seit 2016 Professor für Verhaltens- und Wettbewerbsökonomie am Düsseldorfer Institut für Wettbewerbsökonomie der Heinrich-Heine-Universität.

Professor Heidhues ist stellvertretender Vorsitzender des industrieökonomischen Ausschusses des Vereins für Socialpolitik, Mitglied des Theoretischen Ausschusses des Vereins für Socialpolitik, ein Research Fellow des CESifo Netzwerks in Behavioral Economics, ein Research Fellow des CEPR Programms in Industrial Organization, sowie Mitglied des Arbeitskreis Kartellrecht des Bundeskartellamts und Mitglied des Akademischen Beirats der UK Competition and Markets Authority. Zudem ist er Associate Editor der Zeitschriften Games and Economic Behavior und Journal of Economic Theory.

Das Forschungsinteresse von Paul Heidhues liegt in den Bereichen der Wettbewerbs- und Verhaltensökonomie und der (angewandten) Spieltheorie. In der Vergangenheit hat er mehrere Aufsätze zu wettbewerbsökonomischen Themen wie Verhandlungsmacht auf Zuliefermärkten, Fusionskontrolle und wettbewerbsmindernde stillschweigende Absprachen verfasst. In seiner gegenwärtigen Forschung beschäftigt er sich vor allem mit den Implikationen verhaltensökonomischer Entscheidungsmodelle für Wettbewerbsprozesse. So analysiert er welche Marktergebnisse zu erwarten sind, falls Konsumenten verlustavers sind oder soziale Präferenzen haben. Darüber hinaus setzt er sich in einer Reihe seiner Arbeiten mit der Interaktion zwischen Konsumentenfehler und Marktwettbewerb auseinander.

 

Vortrag 2: Ist Blut tatsächlich dicker als Wasser?

Blutströmung und Blutschädigung in biomedizinischen Geräten

 

Prof. Dr. Marek Behr, Aachen

Das Weltklima, die Märkte, nationale Energienetze – Systeme, die wir simulieren
wollen, werden immer komplexer. Ein ganz besonderes System ist der Mensch. Die Biomedizin verlangt moderne Simulationsmethoden, um die Diagnose zu unterstützen, die Therapien patienten-spezifisch zu bestimmen, oder biomedizinische Geräte wie Herzunterstützungspumpen optimal zu entwickeln.

Für letzteres spielt die Blutströmung eine wichtige Rolle. Blut ist ein hochmulti- skaliges System, das sich nur bedingt analytisch beschreiben lässt. Der komplexe Aufbau von mikroskopischen Blutkörperchen, die millionenweise durch unsere Adern strömen, bedeutet, dass einfachste strömungstechnische Begriffe wie Dichte oder Viskosität nicht klar definiert werden können.

Das strömende Medium ist in diesem Fall auch ein lebendiger empfindlicher Organismus. Von Menschen gebaute Geräte wie Blutpumpen erzeugen hohe Scherkräfte, die für das Blut tödlich sein können. Die Hämolyse, die Zerstörung der Erythrozyten, hängt nicht nur von der Strömung, sondern auch von verschiedensten anderen Faktoren ab. Die mathematische Beschreibung solcher physiologischen Vorgänge stellt bis heute eine wesentliche Herausforderung unserer Arbeit dar.

Prof. Dr. Marek Behr erlangte seinen Doktorabschluss im Bereich der Luft und Raumfahrttechnik und Mechanik an der University of Minnesota in Minneapolis. Nach Lehrtätigkeiten an der University of Minnesota und der Rice University in Houston wurde er im Jahr 2004 zum Professor an der Fakultät für Maschinenwesen der RWTH berufen und Inhaber des Lehrstuhls für computergestützte Analyse technischer Systeme. Seit 2006 ist er der wissenschaftliche Leiter der Graduiertenschule AICES, die sich auf inverse Probleme in den Ingenieurwissenschaften konzentriert und im Rahmen der Exzellenzinitiative gegründet wurde. Professor Behr ist einer der Hauptentwickler der stabilisierten Raum-Zeit Finite Elemente Methode bezogen auf Strömungslösungen in verformbaren Rechengebieten. Er ist ein langjähriger Experte auf dem Gebiet des parallelen Rechnens und der numerischen Methoden für nicht-Newtonsche Flüssigkeiten. Er ist Mitglied in mehreren Beiräten internationaler Fachzeitschriften und Vizepräsident der GACM (German Association for Computational Mechanics).