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20.04.2018, 16:00 Uhr

Grenzen und Entgrenzung in Kultur und Wissenschaft

1. Veranstaltung der interdisziplinären Veranstaltungsreihe "Horizonte und Grenzen in Wissenschaft und Kunst"

Programm

Begrüßung
Prof. Dr. Wolfgang Löwer
Präsident der Nordrhein-Westfälischen Akademie der Wissenschaften und der Künste

Vorträge
Grenzen und Entgrenzungen in Kultur und Kunst
Prof. Dr. Hans Peter Thurn

Mediziner als Retter der Menschheit? Grenzüberwindung und Optimismus im Zeitalter des Positivismus 1850–1914
Prof. Dr. Dr. Klaus Bergdolt, Köln

Grenzen der Physik
Prof. Dr. Claus Kiefer, Köln

Zu den Vorträgen / Abstracts

Prof. Dr. Hans Peter Thurn: Grenzen und Entgrenzung in Kultur und Kunst
Die Epochenschwelle, an der wir heute leben, ist unter anderem dadurch gekennzeichnet, dass sich vertraute Grenzen im Alltag, in den Wissenschaften, in den Künsten zusehends verschieben. Kultur und Gesellschaft nötigen uns ein Dasein in Provisorien auf, das einerseits Risiken birgt und andererseits Chancen eröffnet. Die Erscheinungsformen und die Bewältigung der damit einhergehenden Spannung lotet der Vortrag ebenso historisch wie gegenwartsbezogen aus. Darüber hinaus geht er der Frage nach, wie die Künste sich ihrer angenommen haben, in welchen Formen und Stilen sie diese früher veranschaulichten, welchen Anteil die Moderne seit dem frühen 20. Jahrhundert an ihr nahm und heute hat.


Prof. Dr. Dr. Klaus Bergdolt: Mediziner als Retter der Menschheit?

Grenzüberwindung und Optimismus im Zeitalter des Positivismus 1850 – 1914 Im 19. Jahrhundert ließen sich Mediziner und Naturforscher von der optimistischen Vorstellung leiten, sie könnten durch ihre Entdeckungen dem Geiste des seinerzeit verbreiteten Positivismus entsprechend die Wissenschaft und die Gesellschaft gleichsam revolutionieren. Dieser positivistische Glaube hatte alle Zeichen einer Ersatzreligion, welche die Zukunft des Menschen in den schönsten Farben schilderte und auf glänzende Versprechungen baute. Selbst die Naturwissenschaften des 20. Jahrhunderts beriefen sich noch auf die Positivisten. Indes lehrt uns das heutige Wissen und wachsende Skepsis, mit allzu optimistischen Prognosen vorsichtiger umzugehen.


Prof. Dr. Claus Kiefer: Grenzen der Physik
Ausgehend von der Antrittsrede Stephen Hawkings in Cambridge 1979, in der er das Ende der Physik prophezeite, spannt der Vortrag einen Bogen von den Anfängen der modernen Naturwissenschaft bei Newton und Galilei bis hin zu Einsteins Relativitätstheorie und der Quantentheorie im 20. Jahrhundert. Dabei wird deutlich, wie Grenzen entstanden sind und wie sie überwunden werden konnten. Schließlich geht Claus Kiefer auf die Zukunftsvisionen der heutigen Physik ein und stellt seine eigene Sicht auf Hawkings Prophezeiung dar.


Grenzen und Entgrenzung in Kultur und Wissenschaft?

Existieren Grenzen in der Wissenschaft? Vertragen sich Grenzen mit dem Begriff von Kunst? Limitierungen widersprechen dem allgemeinen Verständnis von Wissenschaft und Kunst als schrankenlose, nur sich selbst verantwortliche Disziplinen. „Kunst und Wissenschaft, Forschung und Lehre sind frei.“ heißt es in Artikel 5, Absatz 3 des Grundgesetzes für die Bundesrepublik Deutschland. Diese gesetzliche Freiheitsgarantie ist alles andere als selbstverständlich, eine große historische Errungenschaft – gerade mal 69 Jahre alt und in anderen Staaten gar nicht existent oder ständig bedroht.


Dennoch aber haben auch hierzulande Kunst und Wissenschaft täglich mit Begrenzungen zu tun. Es gibt selbst geschaffene aus fachlichen Gründen oder von außen gesetzte durch eingeschränkte finanzielle Mittel für Forschungsvorhaben oder Kunstprojekte. Auch ist Wissen kein absoluter Wert an sich, es unterliegt gesellschaftlicher Akzeptanz und ethischen Grundsätzen. Die Euthanasie-Forschung der Nationalsozialisten zum Beispiel hatte diese Grenzen eindeutig überschritten. Gibt es also schädliches Wissen?


Auch diese Frage wird die Veranstaltungsreihe stellen. Sie will den verschiedenartigen Limitationen von Wissenschaft und Kunst auf den Grund gehen – aus historischer wie aus aktueller Sicht. Es sollen die immanenten ebenso wie die von außen aufgezwungenen Beschränkungen zur Sprache kommen. Auch die ethischen Folgen von Grenzen respektive Entgrenzungen werden untersucht. Was wäre, wenn Wissen nicht mehr kontrolliert werden könnte – beispielsweise durch sich verselbstständigende künstliche Intelligenz?