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02.05.2018, 18:00 Uhr

Jürgen Klauke - KörperzeichenZeichenkörper

Ausstellungseröffnung

Programm

Begrüßung
Prof. Dr. Dr. h.c. Peter M. Lynen
Vizepräsident der Nordrhein-Westfälischen Akademie der Wissenschaften und der Künste

Einführung in die Ausstellung
Zum zeichnerischen Werk von Jürgen Klauke
Prof.’ in Dr. Ulli Seegers
Institut für Kunstgeschichte, Universität Düsseldorf

Im Anschluss laden wir Sie herzlich zu einem Umtrunk ein.

Die Zeichnung sei „die Mutter aller Künste“, soll Leonardo da Vinci gesagt haben. Jürgen Klauke, der „intermediäre Aktionist“, wie er sich selber bezeichnet, nimmt das ernst. Er ist ein Künstler, der sich der zeitgenössischen Fülle der Medien und Darstellungsformen bedient und sich in Aussage und Methodik nicht einengen lässt. In der NRW-Akademie der Wissenschaften und der Künste waren Fotoarbeiten von ihm im letzten Jahr in einer Ausstellung von Mitgliedern der Klasse der Künste unter dem Titel Menschen. Bilder zu sehen. Nun widmet sich Klauke mit einer Fülle von Zeichnungen in zwei Zyklen einem vergleichbaren Themenkreis in anderer Weise. Entlang der Cioran-Linien ist eine Auseinandersetzung mit Aphorismen von Emil M. Cioran. Die Zeichnungen korrespondieren mit den Texten, zeigen sich aber als eigenständige Positionen, nicht als Interpretationen. Das setzt sich fort im Zyklus Voces/Stimmen des argentinischen Aphoristikers Antonio Porchia. Immer steht der menschliche Körper im Vordergrund, aber es geht nicht um die Wiedergabe realer Körper, sondern um Variationen schematisierter Körperfragmente. Realität und Halluzination. Dazu einer der Aphorismen von Cioran: „Es gibt keine andere Welt. Es gibt nicht einmal diese Welt. Was gibt es dann? Das innere Lächeln, das die offenkundige Inexistenz der einen und der anderen in uns hervorruft“.

 

Die Ausstellung kann vom 03.05. - 14.06.2018 in den Räumlichkeiten der Akademie besichtigt werden. Öffnungszeiten: montags - donnerstag von 12 - 17 Uhr.

Der Eintritt ist kostenlos.



Jürgen Klauke, geboren 1943 in Cliding, lebt und arbeitet als freischaffender Künstler in Köln. Er gilt als einer der wichtigsten Künstler der inszenierten Fotografie und als Pionier der „Body Art“ und Performance. Klauke studierte von 1964 bis 1970 freie Grafik und war Meisterschüler an der Kölner Werkschule. Anschließend hatte er Gastprofessuren an der HFBK Hamburg, der Kunstakademie München und der Kunstakademie Kassel. Von 1983 bis 1994 war er Professor an der Universität Essen und von 1994 bis 2008 an der Kunsthochschule für Medien, Köln.
Jürgen Klauke ist seit 2013 ordentliches Mitglied der Nordrhein-Westfälischen Akademie der Wissenschaften und der Künste.



Jürgen Klauke – Er ist eine singuläre Erscheinung in der Kunst der Gegenwart. Er hat vieles erfunden, was längst zu ihrem selbstverständlichen Repertoire gehört, und die Kunst der letzten 30 Jahre maßgeblich beeinflusst hat. Er ist ein Pionier auf dem Terrain multimedialer und interdisziplinärer künstlerischer Exploration. Sein Werk löst zugleich Faszination und Irritation aus, oszilliert beständig zwischen den Polen von Anziehung und Abstoßung. Als einer der ersten Künstler machte Jürgen Klauke die Fotografie zum künstlerischen Ausdrucksmittel. Mit zielstrebiger Konsequenz lotete er ihre Möglichkeiten und Grenzen aus, so umfassend und facettenreich wie kaum ein zweiter, und erschloss der Kunst ein völlig neues Territorium. Er hat die Frage der Geschlechterdifferenz nachdrücklicher und radikaler aufgeworfen als andere und dabei das Problem der Identität mit bisweilen provokativen Bildern bis zum Extrem zugespitzt.
Seit 1970 beschäftigt er sich mit dem menschlichen Körper und setzte ihn als unmittelbaren Ausdrucksträger künstlerischer Vorstellungen ein, gleichzeitig mit Robert Morris und Bruce Nauman nutzte er ihn als Gegenstand und Vehikel seiner Kunst. Er war einer der markantesten Vertreter der „Body Art“. Darüber hinaus eröffnete Jürgen Klauke der Bildkunst Methoden und Modi der Darstellung, die ganz und gar ungewöhnlich waren, als er sie einführte wie die Sequenz und das Tableau. Vor allem bahnte er der „Inszenierten Fotografie“ den Weg indem er das fotografische Medium konzeptualisierte und zum immanenten Thema seiner Kunst erhob.
Schließlich entdeckte er auch das große Fotoformat für sich und verwirklichte seine künstlerischen Ideen in großformatigen Bildreihen, als sich die meisten anderen Künstler noch im üblichen Rahmen fotografischer Praxis bewegten. Dennoch hat er in seiner immer wieder von Umbrüchen und Neubestimmungen begleiteten Laufbahn niemals den Erwartungshorizont der Modetrends in der Kunst bedient – stets lagen seine in umfangreichen Werkgruppen realisierten Arbeiten quer. Die früheren, weil sie bewusst gesellschaftliche Tabus verletzten und mit aggressiven, subversiven und verstörenden Mitteln operierten, die späteren, weil sie einen in der Gegenwartskunst selten gewordenen ästhetischen Anspruch verkörpern und sich in keine der jeweils vorherrschenden Strömungen einklinken wollen. Wie ein erratischer Block erscheint sein Oeuvre im kommerzialisierten Kunstbetrieb, eigensinnig und sperrig, und dabei von vibrierender, sinnlicher Kraft.

(Zitiert nach Klaus Honnef )