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13.09.2018, 16:00 Uhr

Entgrenzung, Grenzüberschreitung, Entgleisung – Wohltat oder Plage?

4. Veranstaltung der Veranstaltungsreihe "Horizonte und Grenzen in Wissenschaft und Kunst" ab 16:00 Uhr

Die verstärkte Anforderung, die Wissenschaft solle sich den großen gesellschaftlichen Herausforderungen stellen und ihre „dritte Mission“ ernster nehmen, führt zu vielfältigen und vielschichtigen Prozessen. Grenzüberschreitungen zwischen den Disziplinen („Interdisziplinarität“) und der Dialog zwischen Wissenschaft und Gesellschaft („Transdisziplinarität“) stellen Grenzen, z. B. in Form disziplinärer Selbstverständnisse oder hinsichtlich geeigneter Kommunikationsformen, in Frage. Damit steht die Frage im Raum, wo Entgrenzungen erforderlich sind und wie weit solche Grenzüberschreitungen mit dem Selbstverständnis der Wissenschaftlichkeit vereinbar sind. Zu erörtern ist, wann und aus welchen Gründen die erforderlichen Grenzüberschreitungen zu Entgleisungen werden (können).

An dem Spannungsverhältnis von interdisziplinärer Grenzüberschreitung und disziplinärer Identität einerseits und dem sich ausdifferenzierenden Rollenverständnis von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern im transdisziplinären Kontext andererseits sollen diese Grenzziehungen aus Sicht der praktischen Philosophie erörtert werden.

Auch juristisch betrachtet wird die grundgesetzlich garantierte Wissenschaftsfreiheit nicht grenzenlos gewährleistet. Die inneren Grenzen ergeben sich aus dem Objektivierungsanspruch, der wissenschaftliche Aussagen von Alltagserfahrungen abhebt. Die äußeren Grenzen werden hingegen demokratisch gesetzt – und diese sind nicht starr, sondern müssen und können durch Gesetzgebung verschoben werden.

Aus ethischer Sicht herrscht weitgehender Konsens darüber, dass wissenschaftlich-technische Entwicklungen – beispielsweise in der Stammzellforschung, Gentechnik oder künstlicher Intelligenz – nicht unkontrolliert vorangetrieben werden sollten. Umstritten ist, wie Grenzen gesetzt werden können. Es wird ein Vorschlag zu normativen Einschränkungen vorgestellt, der Grenzen der Natur aus Verläufen guter wissenschaftlicher Praxis rekonstruiert. 

Zu den Vortragenden

Prof. Dr. Klaus F. Gärditz, geboren 1975 in Trostberg. Abitur 1994 in Wasserburg am Inn. 1995–1998 Studium der Rechtswissenschaften in Bonn. 1999–2001 Rechtsreferendar. 2001 Promotion mit einer strafprozessrechtlichen Dissertation an der Universität Bonn. 2002–2004 Verwaltungsrichter und Rechtsanwalt. 2004–2009 Wiss. Assistent an der Universität Bayreuth; Habilitation WS 2008/09. Seit April 2009 Professor für Öffentliches Recht an der Universität Bonn. Seit 2014 stellv. Richter am Verfassungsgerichtshof, seit 2015 im Nebenamt Richter am Oberverwaltungsgericht Nordrhein-Westfalen.

Prof. Dr. Dres. h.c. Michael Quante ist seit 2009 Professor für Philosophie mit dem Schwerpunkt Praktische Philosophie an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster und dort seit 2016 Prorektor für Internationales und Transfer. Er studierte von 1982 bis 1989 die Fächer Deutsch und Philosophie an den Universitäten in Berlin und Münster. In Münster wurde er 1992 im Fach Philosophie promoviert und 2001 habilitiert. Von 2001 bis 2004 war er Hochschuldozent am Philosophischen Seminar der WWU Münster. 2004 wurde er zum Professor für Praktische Philosophie an der Universität Duisburg-Essen berufen. Von 2005 bis 2009 war er Professor für Praktische Philosophie und Philosophie der Neuzeit und Gegenwart an der Universität zu Köln.

Prof. Dr. Dieter Sturma ist Professor für Philosophie unter besonderer Berücksichtigung der Ethik in den Biowissenschaften an der Universität Bonn; Direktor des Instituts für Wissenschaft und Ethik; Direktor des Deutschen Referenzzentrums für Ethik in den Biowissenschaften; Leiter der Arbeitsstelle „Grundlagen, Normen und Kriterien der ethischen Urteilsbildung in den Biowissenschaften“ der Nordrhein-Westfälischen Akademie der Wissenschaften und der Künste sowie Direktor des Instituts für Ethik in den Neurowissenschaften (INM 8) am Forschungszentrum Jülich.

Programm

Begrüßung 16.00 Uhr

  • Prof. Dr. Rudolf Schieffer, Vizepräsident der Nordrhein-Westfälischen Akademie der Wissenschaften und der Künste

Impuls-Vorträge

  • Grenzen und Entgrenzungen: Grenzüberschreitungen oder Entgleisungen? Prof. Dr. Dres. h.c. Michael Quante, Münster
  • Die äußeren und inneren Grenzen der Wissenschaftsfreiheit; Prof. Dr. Klaus F. Gärditz, Bonn

Pause ca. 17.00 Uhr

  • Grenzen der Natur? Zum normativen Umgang mit wissenschaftlich-technischen Entwicklungen; Prof. Dr. Dieter Sturma, Bonn
  • Podiumsdiskussion mit allen Vortragenden, Moderation Prof. Dr. Rudolf Schieffer

Im Anschluss laden wir Sie herzlich zu einem Umtrunk ein.

Wir weisen darauf hin, dass die Veranstaltungen aufgezeichnet und fotografisch dokumentiert werden. Die Bilder können auch das Publikum zeigen.