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05.12.2018, 14:30 Uhr

Klasse für Geisteswissenschaften, 591. Sitzung

Vortrag 1: Prof. Dr. Gerald Echterhoff; Vortrag 2: Dr. Alexander Scheuch (Junges Kolleg), Akademischer Rat a. Z., Münster: Von Köln nach Essen via Neu-Delhi – Fortschreitende „Sabotage“ des Sanktionsrechts durch privatrechtlichen Regress?

Vortrag 1

Prof. Dr. Gerald Echterhoff

Details zum Vortrag liegen noch nicht vor.

Nach seinem Studium der Psychologie an der Universität zu Köln setzte Prof. Dr. Gerald Echterhofff seine Studien mit Förderung durch ein Fulbright-Stipendium an der New School for Social Research in New York fort, wo er 2000 den Doctor of Philosophy (Ph. D.) erlangte. Anschließend war er ein Jahr lang Postdoctoral Fellow an der Columbia University (New York). An der an Universität Bielefeld, wo er anschließend als wissenschaftlicher Assistent tätig war, wurde er 2007 an der dortigen Fakultät für Psychologie und Sportwissenschaft habilitiert. Im Jahr 2008 wurde er als Professor of Psychology an der Bremer Jacobs University berufen. Seit 2010 ist Gerald Echterhoff Professor für Sozialpsychologie an der Universität Münster. Seine Projekte wurden kontinuierlich durch Drittmittel gefördert, u.a. von der Deutschen Forschungsgemeinschaft, der European Science Foundation, der Alexander von Humboldt-Stiftung, dem Stifterverband für die deutsche Wissenschaft und dem Chinesisch-Deutschen Zentrum für Wissenschaftsförderung.

Prof. Dr. Gerald Echterhoff ist seit 2018 ordentliches Mitglied der Nordrhein-Westfälischen Akademie der Wissenschaften und der Künste.

Vortrag 2

Dr. Alexander Scheuch, Akademischer Rat a. Z., Münster

Von Köln nach Essen via Neu-Delhi – Fortschreitende „Sabotage“ des Sanktionsrechts durch privatrechtlichen Regress?

Wenn Strafen oder Bußgelder verhängt werden, geschieht dies in der naheliegenden Erwartung, dass der Adressat die Sanktion endgültig zu tragen hat. Diese Erwartung wird enttäuscht, wenn derjenige, der mit einer Sanktion belegt wurde, sie auf ein anderes Rechtssubjekt abwälzen kann. Die Möglichkeit, eine Strafe oder Buße „weiterzureichen“, könnte dem Sanktionierten durch das Privatrecht, insbesondere in Form von Schadensersatzansprüchen, vermittelt werden.

In der Rechtswissenschaft war in diesem Zusammenhang bereits vor rund einem Jahrhundert von der drohenden „Sabotierung des Strafrechts durch das Zivilrecht“ die Rede. Seit diesem Ausspruch von Karl Geiler sind allerdings beachtliche Entwicklungen zu verzeichnen gewesen. Unter anderem hat der Bundesgerichtshof festgestellt, dass die Bezahlung einer fremden Geldstrafe nicht ihrerseits als Strafvollstreckungsvereitelung strafbar sei. Höchstrichterlich zugelassen wurde ferner der zivilrechtliche Rückgriff eines wegen Steuerverkürzung Sanktionierten gegen seinen Steuerberater. Andererseits hat es das Bundesarbeitsgericht Arbeitnehmern versagt, im Rahmen ihrer Tätigkeit verwirkte Bußgelder auf den Arbeitgeber abzuwälzen. 

Die Problematik ist jüngst wieder stärker in den Fokus von Rechtsprechung und Rechtswissenschaft geraten. Anhand von drei aktuellen Beispielen sollen deshalb die grundlegenden Fragen sowie der Diskussionsstand näher vorgestellt und Vorschläge unterbreitet werden, wie der dargestellte Konflikt von Sanktions- und Privatrecht zu lösen sein könnte. Der facettenreiche Streifzug führt dabei vom Kölner Fußballstadion bis in eine Essener Konzernzentrale – mit einem Umweg über den Flughafen Neu-Delhi.

Vita

Dr. Alexander Scheuch (Jahrgang 1985) studierte von 2005 bis 2010 in Münster als Stipendiat der Studienstiftung des deutschen Volkes Rechtswissenschaften. Parallel durchlief er eine zweijährige englischsprachige Ausbildung im Common Law. In seiner 2013 abgeschlossenen Dissertationsschrift, die mit dem Harry-Westermann-Preis der Münsteraner Rechtswissenschaftlichen Fakultät ausgezeichnet wurde, befasste er sich mit den Auswirkungen der vermeintlichen Mitgliedschaft in Gesellschaften bürgerlichen Rechts. Zwischen 2013 und 2015 absolvierte er das Referendariat in Bonn, Köln, Düsseldorf und London. Seit Oktober 2015 ist er Habilitand am Institut für Internationales Wirtschaftsrecht (Prof. Dr. Saenger) in Münster. Unter anderem betreut er das „Programme in European Private Law for Postgraduates“ in Zusammenarbeit mit verschiedenen europäischen Universitäten. Ferner ist er Gründungsmitglied und früherer Bundesvorsitzender der Initiative Weitblick, die Bildungsprojekte fördert und Studierende aller Fachrichtungen für soziale Verantwortung sensibilisieren möchte.