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16.10.2019, 14:30 Uhr

Klasse für Geisteswissenschaften, 598. Sitzung

Vortrag 1: "Kunst, Angst und Befreiung in Christoph Schlingensiefs Atta-Atta-Trilogie" Dr. Lore Knapp, Bielefeld (Junges Kolleg); Vortrag 2: "Die Anfänge der Christianisierung gebildeter Schichten im 2. und 3. Jahrhundert" Prof. Dr. Georg Schöllgen, Bonn

Vortrag 1

Nach den Anschlägen vom 11. September 2001 brachte der Regisseur und Aktionskünstler Christoph Schlingensief in den Jahren 2003 und 2004 drei Arbeiten auf deutschsprachige Bühnen, die bei seinen Zuschauern weitgehend Unverständnis und Abwehr auslösten, ihm aber dennoch zum Engagement bei den Wagnerfestspielen in Bayreuth verhalfen: Eine postdramatische Inszenierung an der Berliner Volksbühne mit dem Titel „Atta Atta – Die Kunst ist ausgebrochen“, Aufführungen des Prosatextes Bambiland von Elfriede Jelinek am Wiener Burgtheater sowie ein von Antonin Artauds Theater der Grausamkeit inspiriertes Spektakel am Schauspielhaus Zürich. Thematisch sind die drei Arbeiten durch die Auseinandersetzung mit der Angst vor dem Fremden und die Frage, was Kunst ist und bewirken kann, verbunden. Außerdem gelten die Performances als Stationen einer großen Prozession der sogenannten Church of Fear, einer Kirche, die der Künstler 2003 in Reaktion auf das Phänomen der (Terror-)Angst gründete. Der Vortrag beleuchtet die Ausdruckssprache und persönliche Mythologie Schlingensiefs ebenso wie das Verhältnis zwischen Kunst und Religion in der Atta-Atta-Trilogie.

Dr. Lore Knapp, geboren 1983, ist seit 2014 Akademische Rätin auf Zeit an der Universität Bielefeld. Sie studierte Neuere deutsche Literatur, Theaterwissenschaft und Musikwissenschaft an der Freien Universität Berlin sowie Violoncello und Musikpädagogik an der Universität der Künste Berlin. Im Rahmen der Friedrich Schlegel Graduiertenschule für literaturwissenschaftliche Studien promovierte sie über den Eingang des theologischen Denkens in literarische und performative Formen der Gegenwart sowie in die philosophische Beschreibung von Kunst. Nach einem Forschungsaufenthalt an der Universität Cambridge wurde sie im Jahr 2013 an der FU Berlin promoviert. Im Anschluss war sie Honors Fellow der Dahlem Research School der FU Berlin, Gastdozentin an der Universität Basel und an der Chulalongkorn-Universität Bangkok sowie Stipendiatin der Herzog August Bibliothek in Wolfenbüttel. Sie arbeitet an einer Habilitationsschrift über den britisch-deutschen Literaturtransfer im achtzehnten Jahrhundert. Lore Knapp ist seit Januar 2017 Mitglied im Jungen Kolleg der Nordrhein- Westfälischen Akademie der Wissenschaften und der Künste. 

Vortrag 2

Um die Wende vom 2. zum 3. Jahrhundert lassen sich zwei gegenläufige Entwicklungen beobachten: auf der einen Seite werden die Christen von antichristlichen Autoren als gänzlich ungebildete Zeitgenossen vorgestellt, die aus den untersten Schichten (de ultima plebe) stammen, auf der anderen Seite gelingt es dem Christentum in den Großstädten zum ersten Mal nicht nur, eine größere Zahl von Intellektuellen zu gewinnen, sondern mit dem karthagischen Rhetor Tertullian, einem Mitglied des ordo equester, sowie einer Reihe von Lehrern der sogenannten alexandrinischen Katechetenschule, darunter Origenes, einige der klügsten und originellsten Köpfe des römischen Reiches für sich einzunehmen. Im Mittelpunkt des Vortrags steht die Frage nach den Ursachen dieser Entwicklung. Dabei soll ein wichtiger Aufsatz von Norbert Box herangezogen werden, der die These aufstellt, dass es im zweiten und dritten Jahrhundert so gut wie keine christliche Mission gegeben hat. Wenn pagan geprägte Gebildete sich dem Christentum nicht aufgrund missionarischer Werbung anschlossen, was hat sie dann dazu gebracht, dieser übel beleumundeten Religion näherzutreten?

Prof. Dr. Georg Schöllgen, geboren 1951 in Düsseldorf, Abitur am altsprachlichen Görres Gymnasium. Studium der Katholischen Theologie und Klassischen Philologie in Bonn, Tübingen und Oxford. 1981 Dissertation; 1990 Habilitation, 1991–1997 Hochschuldozent (C2) für Kirchengeschichte an der RWTH Aachen, 1997–2017 Professor für Alte Kirchengeschichte und Patrologie, Universität Bonn, 2001–2019 Direktor des Dölger-Instituts und Hauptherausgeber des RAC. Seit 2002 Mitglied, seit 2016 stv. Vorsitzender der Patristischen Kommission der Deutschen Akademien der Wissenschaften, 2004–2006 Dekan und von 2006–2008 Prodekan der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Bonn, seit 2005 Ordentliches Mitglied der Klasse für Geisteswissenschaften der Nordrhein-Westfälischen Akademie der Wissenschaften und der Künste, 2008–2012 Mitglied des Fachkollegiums Theologie der DFG. Hauptforschungsinteressen: Frühchristliche Sozial-, Amts- und Rechtsgeschichte