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04.12.2019, 15:00 Uhr

Klasse für Geisteswissenschaften, 600. Sitzung

Vortrag: "Zum Charakter der griechischen Wirtschaft archaischer und klassischer Zeit: Der Beitrag archäologischer Forschungen" Prof. Dr. Martin Bentz, Bonn

Die Geschichte der antiken Wirtschaft wurde bislang nahezu ausschließlich von Historikern auf Grundlage schriftlicher Quellen geschrieben. Hinzu traten in den letzten Jahrzehnten verstärkt Modelle und Methoden der Wirtschaftswissenschaften. Daneben hat sich in jüngerer Zeit die „Wirtschaftsarchäologie“ entwickelt, die mit unterschiedlichen Methoden (Survey, Ausgrabungen, Materialstudien, insbesondere quantitativen Ansätzen und naturwissenschaftlichen Analysen) die materielle Kultur für die Rekonstruktion antiken wirtschaftlichen Handelns nutzbar zu machen versucht. Anhand von neuen Forschungsdaten soll gezeigt werden, dass sich die schematischen Erklärungsmodelle „der“ antiken bzw. ‚der‘ griechischen Wirtschaft, oder auch die seit dem 19. Jahrhundert immer noch diskutierte Alternative zwischen „primitivistischer“ versus „modernistischer“ Wirtschaftsweise, nicht halten lassen und durch einen flexiblen, regionalen und zeitlich differenzierenden Ansatz ersetzt werden müssen. Unter anderem am Fallbeispiel der griechischen Kolonie Selinunt auf Sizilien können bislang nicht bekannte Formen der Produktion und Distribution handwerklicher Produkte aufgezeigt werden, die mit der mutterländisch-griechischen Evidenz verglichen werden. 

Prof. Dr. Martin Bentz ist Professor für Klassische Archäologie an der Friedrich- Wilhelms-Universität Bonn. 1989 wurde er mit einer Dissertation zu Votiven aus etruskischen Heiligtümern in Göttingen promoviert. Nach dem hierfür verliehenen Reisestipendium des Deutschen Archäologischen Instituts wurde er Assistent in Regensburg und habilitierte sich 1997 mit einer Arbeit zur Funktion griechischer Vasen am Beispiel der Panathenäischen Preisamphoren. Nach der Tätigkeit als Geschäftsführender Redaktor des Corpus Vasorum Antiquorum an der Bayerischen Akademie der Wissenschaften erhielt er 2004 den Ruf nach Bonn. Seit 2013 ist er Sprecher des Graduiertenkollegs „Archäologie vormoderner Wirtschaftsräume“, seit 2014 Mitglied des DFG-Fachkollegiums „Alte Kulturen“ und seit 2019 PI am Bonner Exzellenzcluster „Beyond Slavery and Freedom“. Seine Forschungen behandeln die Kulturen des vorrömischen Italien, besonders die Etrusker, sowie das archaische und klassische Griechenland mit Schwerpunkten u. a. auf Fragen der Siedlungs- und Wirtschaftsarchäologie, insbesondere der Keramikforschung, sowie der Kulturkontakte. Er war bzw. ist Leiter von Ausgrabungsprojekten in den etruskischen Städten Marzabotto und Cerveteri sowie der griechischen Kolonie Selinunt auf Sizilien.