AWK - Detailansicht Veranstaltungen

Übersprungnavigation

Navigation

Inhalt

11.12.2019, 15:30 Uhr

Klasse für Naturwissenschaften und Medizin, 604. Sitzung

Vortrag 1: "Über die Leber – Neues aus der Leberforschung" Prof. Dr. med. Dieter Häussiner, Düsseldorf;   Vortrag 2: "Instabile, hochalpine Felsböschungen im Wandel der Zeit" Prof. Dr. Florain Amman, Aachen;   Vortrag 3: "Falling Walls: IceCube auf dem Weg in neue Welten" Dr. Christian Spiering, Zeuthen

Vortrag 1

Professor Dr. Dieter Häussinger ist seit 1994 Ordinarius für Innere Medizin und Direktor der Klinik für Gastroenterologie, Hepatologie und Infektiologie sowie des Leber- und Infektionszentrums an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf. Darüber hinaus ist er Gründer und Direktor des Hirsch Institute of Tropical Medicine an der Arsi Universität in Äthiopien. Nach dem Studium der Medizin an der Ludwig-Maximilians-Universität München war er ab 1979 als Arzt und Wissenschaftler an der Medizinischen Universitätsklinik Freiburg im Breisgau tätig. Dort habilitierte er sich im Jahr 1984 und erhielt die venia legendi im Fach Innere Medizin. 1988 wurde er zum außerplanmäßigen Professor ernannt und hatte nachfolgend (bis 1994) eine Hermann und Lilly Schilling-Professur inne.

Professor Häussinger erhielt zahlreiche nationale und internationale Wissenschaftspreise, unter anderem den Gottfried Wilhelm Leibniz-Preis der Deutschen Forschungsgemeinschaft (1990), den Thannhauser Preis (1989), den Ehrenpreis des Deutschen Druidenordens (1995), den Dr. Robert Pfleger-Preis (2002), die Geza Hetenyi-Medaille (2001), die Yasu Okuda-Medaille (2011), sowie die Ehrenmedaille der Universität Düsseldorf (2011). Er war von 1998 bis 2002 Dekan der Medizinischen Fakultät und Vorstandsmitglied des Universitätsklinikums Düsseldorf, Mitglied im Medizinausschuss des Wissenschaftsrats (2000-2007), Senator der Wissenschaftsgemeinschaft Leibniz (2010-2018). Er ist aktives Mitglied in wissenschaftlichen Akademien, wie der Deutschen Akademie der Wissenschaften Leopoldina, sowie der Nordrhein-Westfälischen Akademie der Wissenschaften und der Künste, wo er von 2011 bis 2018 als Sekretar der Klasse für Naturwissenschaften und Medizin vorstand. 2011 erhielt Professor Häussinger das Verdienstkreuz 1. Klasse des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland.

Zentraler Gegenstand seiner wissenschaftlichen Aktivitäten sind Klinische und Experimentelle Hepatologie. Bereits während seiner Zeit an der Medizinischen Universitätsklinik Freiburg war er Mitglied im Sonderforschungsbereich 154 „Klinische und Experimentelle Hepatologie“. An der Heinrich-Heine-Universität initiierte er mehrere DFG-geförderte Verbundprojekte im Bereich der Leberforschung. So war er von 2000 bis 2011 Sprecher des Sonderforschungsbereichs 575 „Experimentelle Hepatologie“, Sprecher der Klinischen Forschergruppe 217 „Hepatobiliärer Transport und Lebererkrankungen“ (2009-2017) und ist derzeit Sprecher des Sonderforschungsbereichs 974 „Kommunikation und Systemrelevanz bei Leberschädigung und Regeneration“ (seit 2012).

Neben den wissenschaftlichen Arbeiten m Bereich Hepatologie gilt das Engagement von Professor Häussinger dem Ausbau und der Weiterentwicklung der Klinischen Infektiologie. In diesem Zusammenhang erfolgte beispielsweise die Errichtung des Leber- und Infektionszentrums mit der einzigen Sonderisoliereinheit in Nordrhein-Westfalen für die Behandlung von Patienten mit Krankheiten, die durch hochpathogene Erreger ausgelöst werden, sowie die Gründung des Hirsch Institute of Tropical Medicine, welches 2013 als Außenstelle der von ihm geleiteten Klinik für Gastroenterologie, Hepatologie und Infektiologie an der Arsi Universität in Äthiopien eröffnet wurde.

 

Vortrag 2

Instabile, hochalpine Felsböschungen im Wandel der Zeit

Prof. Dr. Florain Amman, Aachen

Prozesse, die zu einer allmählichen Destabilisierung von Felsböschungen führen, sind oft zeitgleich aktiv und erschweren die Beurteilung eines einzelnen, dominanten Prozesses. Dies gilt insbesondere für Felsböschungen im periglazialen Raum, in dem zusätzliche Prozesse oder Phänomene im Zusammenhang mit tiefen Temperaturen auftreten. Dies betrifft insbesondere den Rückgang von Gletschern sowie das Auftreten von Permafrost. Inwiefern diese Prozesse Auswirkungen auf die Stabilität einer Felsböschung haben können, hängt insbesondere von der geologischen Disposition ab, d. h. der Festigkeit des Gebirges und dem Auftreten und der Orientierung geologischer Trennflächen. In diesem Vortrag werden Beobachtungen und Erkenntnisse zur Disposition und Stabilität von Felsböschungen im periglazialen Raum anhand mehrerer Beispiele erläutert. Dabei werden zunächst die Ereignisse erläutert, die zur rasanten Entwicklung der Hanginstabilität der „Moosfluh“ (Wallis,

Schweiz) im Bereich des rückschreitenden Aletschgletschers geführt haben. Weitere Beispiele sind der Piz Kesch sowie der Piz Cengalo (Graubünden, Schweiz). An beiden Felsböschungen ereigneten sich in den vergangenen Jahren große Felsabbrüche. In ihren Abrisszonen wurden Eisvorkommen beobachtet, die auf das Vorhandensein von Permafrost hinweisen.

Prof. Dr. rer. nat. Florian Amman ist Lehrstuhlinhaber Ingenieurgeologie an der RWTH Aachen. Sein Studium der Geologie an der Friedrich Alexander-Universität Erlangen schloss er 2002 mit der Master-Prüfung ab. 2006 wurde an der Universität Erlangen promoviert. Von 2002 bis 2007 war er bei der Firma Pöyry Energy AG Schweiz tätig. Von 2007 bis 2016 war er Oberassistent an de ETH Zürich, Ingenieurgeologie. 2011-2014 war er als Wissenschaftler am „Rio Tinto Center for Underground Mine Construction“ und von 2015 bis 2017 Wissenschaftlicher Leiter des „Deep Underground Geothermal Laboratory“ der ETH Zürich. Seit 2017 ist er an der RWTH Aachen auf dem Lehrstuhl für Ingenieurgeologie. Seine Forschungsschwer­punkte sind Instabile Felsböschungen und Naturgefahren, Fels- und Geomechanik, Endlager für nukleare Abfälle sowie Tiefe Geothermie.

Vortrag 3

Neutrinos sind die exotischsten Objekte der Teilchenphysik. Ihre geringe Reaktionsneigung ist legendär: Von 60 Milliarden Sonnen-Neutrinos, die pro Sekunde auf einen Quadratzentimeter der Erde treffen, durchqueren alle bis auf etwa ein Dutzend ungestört die Erde, ohne irgendeine Spur zu hinterlassen. 1930 vorhergesagt, wurden sie erst 1956 nachgewiesen und haben sich inzwischen – eben durch ihre geringe Wechselwirkung – als ein einzigartiger Informationsträger aus dichten kosmischen Objekten wie etwa der Sonne erwiesen. Das IceCube Neutrino-Teleskop im tiefen Eis der Antarktis registriert seit einem Jahrzehnt die Reaktionen hochenergetischer kosmischer Neutrinos. Diese Neutrinos tragen Informationen über Sternexplosionen, über die Umgebung schwarzer Löcher und ganz allgemein über die stürmischsten Prozesse im Weltall. Sie dürften das Bild des Kosmos, das uns durch elektromagnetische Strahlung vermittelt wird, erheblich erweitern. Niemand konnte vor zehn Jahren sicher vorhersagen, ob IceCube neben einigen hunderttausend Neutrinos, die in der Erdatmosphäre bei Stößen kosmischer Strahlen erzeugt worden sind, auch die gesuchten extraterrestrischen Neutrinos finden würde – oder ob selbst dieses gigantische Gerät dafür zu klein sein würde. Inzwischen haben mehrere Messungen die anfängliche Skepsis widerlegt. Die erste „Mauer“ fiel 2013 mit dem Nachweis eines 45 diffusen kosmischen Flusses höchstenergetischer Neutrinos. Es sollte nicht das letzte aufsehenerregende Resultat bleiben. Der Vortrag zeichnet den Weg von 2013 bis zu den jüngsten Ergebnissen nach.

Dr. Christian Spiering, geboren 1948, studierte an der Humboldt-Universität zu Berlin Physik und wurde dort 1974 promoviert. Von 1974 bis 1978 arbeitete er am Joint Institute for Nuclear Research in Dubna/UdSSR und nach seiner Rückkehr in die DDR am Institut für Hochenergiephysik (seit 1992 DESY Zeuthen). 1988 wechselte er von der Teilchenphysik an Beschleunigern in die Neutrino-Astrophysik. Von 1988 bis 2013 war er Leiter der Gruppe Neutrino- Astrophysik in Zeuthen, von 1990 bis 2000 gleichzeitig stellvertretender Leiter für Forschung. Durch seine Rolle bei den Neutrino-Teleskopen im Baikalsee und am Südpol wurde er zu einem der Pioniere des jungen Feldes der Astroteilchenphysik. Von 1997 bis 2005 war er europäischer Sprecher von AMANDA, dem Vorläuferexperiment von IceCube, von 2005 bis 2007 IceCube- Sprecher. Von 2006 bis 2012 leitete er das Roadmap Committee für die europäische Astroteilchenphysik. 2006 wurde er für seine Beiträge zum Baikal-Neutrinoteleskop mit dem Markov-Preis der Russischen Akademie der Wissenschaften ausgezeichnet, 2017 für seine „Beiträge zur Physik kosmischer Strahlen, insbesondere zu dem aufstrebenden Feld der Neutrinoastronomie“ mit der O’Ceallaigh-Medaille des Dublin Institute for Advanced Studies. Christian Spiering ist Autor des Buches „Auf der Suche nach der Urkraft“ (Teubner, Leipzig/Harry Deutsch, Frankfurt, 1986). Gegenwärtig ist er ehrenamtlicher Mitarbeiter des DESY in Zeuthen und Gastprofessor am Moscow Engineering and Physics Institute in Moskau.