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05.02.2020, 14:30 Uhr

Klasse für Geisteswissenschaften, 601. Sitzung

Prof. Dr. Andreas Kablitz, Köln: Aretinos Sonette auf Tizian-Porträts

Aretinos Sonette auf Tizian-Porträts
Prof. Dr. Andreas Kablitz

Die Frage nach der Beziehung von Sprache und Bild ist höchst aktuell. Vor allem das Aufkommen der sog. Bildwissenschaft hat die Bedingungen für die Diskussion über die Relation der beiden Medien zueinander grundlegend verändert. Der hier angekündigte Vortrag geht dieser Frage jedoch nicht in systematischer Hinsicht nach, sondern er beschäftigt sich mit einem bestimmten historischen Fall ihrer Verhältnisbestimmung: mit zwei Sonetten des Dichters Pietro Aretino auf Porträts, die der Maler Tizian angefertigt hat.

Anliegen des Vortrags ist die Rekonstruktion der immanenten Ästhetik, die sich aus Aretinos Gedichten herauslesen läßt. Ein besonderes Augenmerk gilt dabei der Beziehung von Text und Bild. Denn es läßt sich zeigen, wie Aretino in seinen Sonetten mit herkömmlichen Definitionen ihres Verhältnisses bricht. Weder der Leitgedanke eines ut pictura poiesis noch überkommene Vorstellungen einer imitatio-Ästhetik erweisen sich als angemessen für die Charakteristik dieser Texte und der ihnen eingeschriebenen Programmatik. Vielmehr entsteht im Dialog von Dichtung und Malerei ein verändertes Konzept der Kunst, das die theoretischen Möglichkeiten eines Paragone für die Entwicklung einer neuen Ästhetik nutzt.

Prof. Dr. Phil. Andreas Kablitz ist Professor am romanischen Seminar der Universität zu Köln. 1983 wurde er mit der Dissertation „Lamartines Méditations poétiques“ promoviert und 1987, nach einem Habilitationsstipendium der DFG mit der Habilitationsschrift „Die Diskussion um das ridiculum im 16. Jahrhundert in Italien“, habilitiert. Daran anschließend arbeitete er 1988 als Oberassistent am Institut für Romanische Philologie der FU Berlin. 1989 wechselte er als Heisenbergstipendiat zum Petrarca-Institut der Universität zu Köln. Von 1989–1999 war er Professor für romanische Philologie an der Universität Tübingen bevor er von 1990–1994 Ordinarius für italienische Philologie an der LMU München war und dort Vorstand des Instituts für italienische Philologie. Seit 1994 ist er Professor für romanische Philologie an der Universität zu Köln. Dort war er von 1996–2000 Mitglied der DFG-Forschergruppe „Zum politisch-sozialen Diskurs und den Formen des Wissens im Zeitalter des Humanismus“ an der LMU München. Seit 1996 ist er Mitglied des Herausgebergremiums des „Romanistischen Jahrbuchs“. Er erhielt 1996 den Gottfried-Wilhelm-Leibniz-Preis. Er ist seit 1998 Mitglied des Wissenschaftlichen Beirats der Fritz-Thyssen-Stiftung. In 2001 war er als Gastprofessor an der University of Washington/USA. Seit 2002 ist er Projektleiter im kulturwissenschaftlichen Forschungskolleg „Medien und kulturelle Kommunikation“ (SFB/FK427) in Köln und seit 2003 Mitglied des Bewilligungsausschusses für Sonderforschungs-bereiche DFG. Andreas Kablitz ist seit 2006 ordentliches Mitglied der Nordrhein-Westfälischen Akademie der Wissenschaften und der Künste. Seine Forschungsschwerpunkte sind die Schriften Dante Alighieries und Kommentare zur Commedia, Literatur der europäischen Renaissance, Roman des 19. Jahrhunderts, Literaturtheorie als Kulturtheorie, mittelalterliche und frühneuzeitliche Zeitlichkeits- und Raumkonzepte sowie Konzepte der Verkörperung und Theatralität.