AWK - Mikro Makro – Das Große im Kleinen entdecken. Ausstellung vom 28. Oktober bis 2. Dezember 2016

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Mikro Makro – Das Große im Kleinen entdecken.

Gruppenausstellung vom 31.10. bis 2.12.2016

Anlässlich des Forschungstages des Jungen Kollegs zum Thema „Das Große im Kleinen entdecken? Herausforderungen und Potenziale im Wechsel der Maßstäbe“ wurde von Rozbeh Asmani ( Junges Kolleg) eine begleitende Kunstausstellung organisiert. Unter dem Titel „Mikro Makro“ präsentierten elf Künstlerinnen und Künstler, alle Mitglieder der Akademie, erstmals gemeinsam Werke.Siegfried Anzinger, Rozbeh Asmani, Tony Cragg, Katharina Fritsch, Candida Höfer, Jürgen Klauke, Mischa Kuball, Markus Lüpertz, Marcel Odenbach, Gregor Schnei-der und Peter Weibel zeigten dabei ganz unterschiedliche Formen ihrer Kunst wie z.B. Siebdrucke, Fotografien, Serigrafien, Skulpturen und Radierungen. Neben der Auseinandersetzung mit dem Ausstellungsthema durch Motiv, Form und Größe der Werke gaben die verschiedenen Techniken und Materialien der Künstlerinnen und Künstler dabei auch interessante Einblicke in die Breite des jeweiligen künstlerischen Schaffens.

Prof. Dr. Wolfgang Löwer, Präsident der Nordrhein-Westfälischen Akademie der Wissenschaften und der Künste - Gruppenausstellung vom 31.10. bis 2.12.2016: Mikro Makro – Das Große im Kleinen entdecken.
Prof. Dr. Peter Lynen, Vizepräsident der Akademie. Sekretar der Klasse der Künste - Gruppenausstellung vom 31.10. bis 2.12.2016: Mikro Makro – Das Große im Kleinen entdecken.
Rozbeh Asmani (Junges Kolleg) - Gruppenausstellung vom 31.10. bis 2.12.2016: Mikro Makro – Das Große im Kleinen entdecken.
Gruppenausstellung vom 31.10. bis 2.12.2016: Mikro Makro – Das Große im Kleinen entdecken.
Peter Weibel t „Koffer 1, II, 111" aus der Serie „Ontologische Sprünge" (1971) - Gruppenausstellung vom 31.10. bis 2.12.2016: Mikro Makro – Das Große im Kleinen entdecken.
Siegfried Anzingers Schwarzweiß-Lithografien (2015) - Gruppenausstellung vom 31.10. bis 2.12.2016: Mikro Makro – Das Große im Kleinen entdecken.
Gregor Schneider „Haus u r" - Gruppenausstellung vom 31.10. bis 2.12.2016: Mikro Makro – Das Große im Kleinen entdecken.
Rozbeh Asmani Bronzeguss „Mon Cheri Praline" - Gruppenausstellung vom 31.10. bis 2.12.2016: Mikro Makro – Das Große im Kleinen entdecken.
Rozbeh Asmani „Mon Cheri" - Gruppenausstellung vom 31.10. bis 2.12.2016: Mikro Makro – Das Große im Kleinen entdecken.
Tony Cragg Zeichnungen - Gruppenausstellung vom 31.10. bis 2.12.2016: Mikro Makro – Das Große im Kleinen entdecken.
Candida Höfer „zoologische Gärten" - Gruppenausstellung vom 31.10. bis 2.12.2016: Mikro Makro – Das Große im Kleinen entdecken.
Gruppenausstellung vom 31.10. bis 2.12.2016: Mikro Makro – Das Große im Kleinen entdecken.
Marcel Odenbachs handcollagierte Siebdrucke „Frage ohne Antwort" (2016). Gruppenausstellung vom 31.10. bis 2.12.2016: Mikro Makro – Das Große im Kleinen entdecken.
Katharina Fritsch „Muschel (rosa)" (2013). Gruppenausstellung vom 31.10. bis 2.12.2016: Mikro Makro – Das Große im Kleinen entdecken.
Markus Lüpertz „Trojanische Pferd" (2016). Gruppenausstellung vom 31.10. bis 2.12.2016: Mikro Makro – Das Große im Kleinen entdecken.
Gruppenausstellung vom 31.10. bis 2.12.2016: Mikro Makro – Das Große im Kleinen entdecken.
Jürgen Klauke „Viva Espana" (2016). Gruppenausstellung vom 31.10. bis 2.12.2016: Mikro Makro – Das Große im Kleinen entdecken.
Mischa Kuball „Solidarity Grid" (2016). Gruppenausstellung vom 31.10. bis 2.12.2016: Mikro Makro – Das Große im Kleinen entdecken.

Zur Ausstellung

Siegfried Anzingers acht Schwarzweiß-Lithografien aus dem Jahr 2015 sind repräsentativ für sein bildnerisches Werk, das sich immer wieder mit Tiermotiven auseinandersetzt. Thema der Druckgrafiken sind Bären in freier Wildbahn beim Fangen von Lachsen am Fluss. In pointierten und zugleich expressiven Pinselstrichen vermitteln die Arbeiten das Gefühl einer harmonischen, heiteren und zugleich wilden Natur.

Rozbeh Asmani setzt sich in seiner Arbeit mit der Ästhetik des Kapitalismus auseinander. International agierende Konzerne haben beim Deutschen Marken­ und Patentamt neben Farbmarken auch dreidimensionale Formen schützen lassen. Der Bronzeguss  „Mon Cheri Praline" zeigt eine solche Form, die fester Bestandteil des kollektiven Bewusstseins geworden und zugleich Ausdruck eines mit allen Mitteln geführten Konkurrenzkampfes ist. 

Vier Radierungen von Tony Cragg von 2012 und 2013 zeigen abstrakte Strukturen, die dem Betrachter Assoziationen zu Craggs großen Themen Landschaft, Architektur und Interieur ermöglichen. Eigenständig gehen sie weit über die traditionelle Vorstellung der Bildhauerzeichnung hinaus. In einem Interview beschreibt er seine Zeichnungen wie folgt: „Die Bildhauerei ist sicher nicht utilitaristisch, aber sie erklärt, relativiert, investigiert und erforscht die konkrete Realität. Darin besitzt sie so etwas wie eine Funktion. Die Zeichnung funktioniert ganz anders. Sie fordert nie eine reale Situation heraus. Die Zeichnung schreitet in eine Art von Traumwelt hinein, in eine Welt, die schon abgehoben ist."

Die Arbeit „Muschel (rosa)" aus dem Jahr 2013 von Katharina Fritsch weist die Form einer aufrecht stehenden Kaurimuschel auf, wie man sie als Souvenir von der Südsee, allerdings sehr viel kleiner kennt. Die mattrosafarbene Oberfläche aus Zellan absorbiert gleichmäßig das Licht, so dass keine Kanten und Schatten mehr sichtbar werden. Der zugleich reale und abstrakte Charakter der Form vermittelt ein Gefühl der Vertrautheit und bricht somit evidente Vorstellungen von Gegenständen der Alltagswelt.

Die Fotografien der Editionsbox „zoologische Gärten" von Candida Höfer aus dem Jahr 1992 zeigen Gehege europäischer Zoos, in denen domestizierte Pinguine, Tiger, Eisbären und Elefanten entfremdet in Gehegen leben. Zwischen menschenleeren aber für Menschen gemachten, modernistischen Bauten wirken die Tiere reglos und distanziert. Der stille typologische Blick Höfers entlarvt so eine Gesellschaft, die sich als Bewahrer bedrohter Arten inszeniert, während sie gleichzeitig deren natürlichen Lebensraum vernichtet. 

In aufeinanderfolgenden szenischen Bildern erstellt Jürgen Klauke seit den frühen 70er Jahren Selbstportraits. Die Edition „Viva Espana" von 2016 zeigt eine, zu einer 14-teiligen Sequenz gehörende Schwarzweiß-Fotografie. Klauke und seine Partnerin sind darauf visuell zu einem Körper vereint  zu sehen. Vor schwarzem Hintergrund sind ein im schwarzen Anzug gekleideter Mann und eine auf ihre Beine reduzierte Frau in verschiedenen erotisch aufgeladenen akrobatischen Stellungen zu sehen. Individualität und geschlechtliche Identität lösen sich auf.

Mischa Kuball arbeitet vorrangig mit dem Medium Licht. Die Farbserigraphie „Solidarity Grid" verweist auf eine gleichnamige Intervention. Entlang einer Spirale sind handschriftlich auf einem schwarzen Karton Städtenamen skizziert. Im Zentrum steht Christchurch, die zweitgrößte Stadt Neuseelands. Sie wurde 2010/2011 von mehreren Erdbeben stark zerstört. Für die „Scape Public Art Biennale Christchurch 2016" hat Kuball unterschiedliche Straßenlaternen, die von 21 Partnerstädten gespendet wurden, als Installation im öffentlichen Raum installiert. Kuballs Intervention erweitert den funktionalen Aspekt urbaner Beleuchtung und schafft ein leuchtendes Monument der Solidarität.

Das „Trojanische Pferd" ist Teil eines umfassenden Skulpturenzyklus von Markus Lüpertz, der sich mit Themen der antiken Mythologie auseinandersetzt. Der handbemalte Bronzeguss von 2016 zeigt einen mit erhobenem Haupt und starrem Blick aus groben schuppenartigen Feldern zusammengefügten Pferdekörper. Die unter dem Rumpf postierte kleine blutrote Treppe verweist auf das durch die List des Odysseus bestimmte Schicksal der Trojaner. Was Skulptur für den Künstler bedeutet, umschreibt er in einem 1986 veröffentlichten Poem:,,( ... ) Es ist besser denke ich die Skulptur verschließt sich, verweigert sich. Soll Kraft verraten, sie nicht zeigen - soll tänzerische Möglichkeiten haben, ahnen lassen. Es soll Legenden geben, keine ablesbaren Beweise."

Marcel Odenbachs handcollagierte Siebdrucke von 2016 tragen den Titel „Frage ohne Antwort". Der Betrachter sieht auf den ersten Blick Zeichenmappen, die sich in ihrer Farbigkeit voneinander unterscheiden. Bei näherer Betrachtung stellt sich heraus, dass die ursprünglich textilen Bestandteile durch fotokopierte Bildwelten ersetzt wurden. Historische Portraits von Intellektuellen und Politikern werden mit Medienbildern der Deutschen Geschichte collagiert.

Im Mittelpunkt des Werkes von Gregor Schneider steht das „Haus u r", in das er 2001 den deutschen Pavillon auf der 49. Biennale in Venedig verwandelt hat. Die Fotografien aus den Jahren zwischen 1987 bis 1993 stehen exemplarisch für sein künstlerisches Konzept. Schneider baut, doppelt und rekonstruiert Räume. Er selbst beschreibt es wie folgt: ,,Im ,Haus u r' geht es mir um die Auflösung von Raum und um die Wiederholung eines Raums bis an die Grenzen unserer Wahrnehmung. Bis nur noch eine Ahnung von dem bleibt, was wir nicht mehr wissen können."

Peter Weibel beschäftigt sich in seinem Werk mit der Differenz von abgebildeter Realität und deren Repräsentationen. Die Arbeit „Koffer 1, II, 111" aus der Serie „Ontologische Sprünge" (1971) ist beispielhaft für diese Auseinandersetzung. Das erste Foto des Triptychons zeigt eine Hand, die einen Koffer trägt. Im zweiten Bild trägt die gleiche Hand das zuvor beschriebene Foto. Das Foto dritter Ordnung zeigt wieder die Hand, die den Koffer trägt, auf dem der erste Fotoabzug mit Klebstreifen fixiert ist. Was ist Bild, was Wirklichkeit?