AWK - Symposium „Kunst und Öffentlichkeit. Über das sich wandelnde Verhältnis von öffentlichen Räumen“ (16 Februar 2017) und Ausstellung Mischa Kuball: „public preposition (Materialsammlung)“ (20.02. bis 30.03.2017)

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Symposium „Kunst und Öffentlichkeit. Über das sich wandelnde Verhältnis von öffentlichen Räumen“ am 16 Februar 2017, mit Videos der Vorträge und der Ausstellung:

„public preposition (Materialsammlung)“ von Mischa Kuball

(fand vom 20. Februar  bis zum 30. März 2017 in den Räumen der Akademie der Wissenschaften und der Künste statt)

Kunst und Öffentlichkeit  Über das sich wandelnde Verhältnis von öffentlichen Räumen 

Als Kunst im öffentlichen Raum wurden die teils seit  Jahrhunderten dargestellten Reiterstandbilder, Brunnen im  öffentlichen Park oder auch Büsten und Portraits aus Kunst  und Politik verstanden und durch die Bevölkerung weitestgehend  akzeptiert. In den 1970er Jahren fanden die ersten  Experimente mit moderner Kunst und deren Außendarstellung  in Städten und Kommunen statt. Wir alle kennen die  Nanas von Niki de Saint Phalle an der Skulpturenmeile in  Hannover oder die Meninas von Manolo Valdés im Hofgarten  in Düsseldorf. Auch Aktionen oder andere künstlerische  Darstellungen wie Verhüllungen von Christo, Streetart oder  Graffi ti werden darunter gefasst. Dabei ist diese moderne  Form der Darstellung oft auch provokativ und ruft aufgrund  ihrer Ästhetik oder gesellschaftlichen Botschaft auch öffentliche  Erregung hervor.  Die zeitgemäße Definition von Kunst im öffentlichen Raum  ist eine gravierende Fragestellung unserer Zeit. Im Zentrum  der Veranstaltung stehen Fragen zu dem sozialen Wandel im  urbanen Kontext, zur Ortsspezifi k und der grundsätzliche  Begriff des Öffentlichen selbst.  Dient die Kunst im öffentlichen Raum der Vermittlung von  kulturellen Werten, fast schon ein Bildungsangebot a la  „Kunst für alle!“ oder dient sie eher der Imageförderung einer  Kommune? Wie werden die örtlichen, technischen und  baulichen Vorgaben und Gegebenheiten einbezogen und  berücksichtigt? Wie kann Kunst im öffentlichen Raum in  Zeiten von knappen Haushaltskassen funktionieren? Wie  sehen Künstler den Umgang, die Zukunft und die Möglichkeiten  der Kunst im öffentlichen Raum?  Im Rahmen dieser Veranstaltung werden Fragen wie diese  gestellt, aufgegriffen und in einer Podiumsdiskussion  transdisziplinär diskutiert. 

Weltbekannt ist Harald Naegeli als der „Sprayer von Zürich“. Über dessen Graffiti entbrannten Ende der 1970er-Jahre erbitterte Diskussionen: Ist das Kunst oder Sachbeschädigung? Daran erinnerte Akademiepräsident Prof. Dr. Wolfgang Löwer in seiner Begrüßung. Prof. Dr. Peter M. Lynen stellte in seinem Grußwort als Sekretar der veranstaltenden Klasse der Künste mit Fontane fest: Die Frage, was Kunst im öffentlichen Raum dürfe, sei tatsächlich „ein weites Feld“. Aber eine sehr aktuelle Fragestellung, befand Moderatorin Dr. Vanessa Joan Müller von der Kunsthalle Wien in ihrer Einführung. Die gebürtige Bochumerin wies auf die „Skulptur Projekte Münster 2017“ hin: Hier ist die gesamte Stadt als Ausstellungsraum alle zehn Jahre das besondere Markenzeichen. Wie zeitgemäß das Thema des Symposiums war, stellten die Vortragenden mit ihren Impulsvorträgen unter Beweis.

 

So ging Akademiemitglied Prof. Bernd Kniess in seinem Vortrag „Public Private Imbroglios“ dem Phänomen nach, dass heute Privates in aller Öffentlichkeit ausgebreitet wird – also „Öffentliche private Verwicklungen“ entstehen – und wie durch Instagram und Co. die Veröffentlichung des Privaten eine neue Dimension erhält. Assoziativ beleuchtete der Studiendekan für Urban Design an der HafenCity Universität Hamburg, wie sich der Prozess der Entfremdung des Menschen seit dem 19. Jahrhundert in Architektur und Städtebau niedergeschlagen hat.

 

Kunst im Außenraum ist transdisziplinär geworden, konstatierte Dr. Fritz Behrens, Präsident der Kunststiftung NRW. Die Grenzen zwischen den ehemals klassischen Kunstsparten sind heute so fließend, wie die zwischen realer und virtueller Welt. In seinem Vortrag „‚Nichts ist wo es mal war‘ – Förderung von Kunst ohne Werk im Raum ohne Dimension“ beschrieb er die neuen Maßstäbe für Kunstförderung. Immaterielle Kunst erfordert jeweils ein Einzelurteil, das vom individuellen künstlerischen Impuls ausgeht.

 

„Kunst im öffentlichen Raum ist kein Luxus, sondern eine Notwendigkeit“, definierte Bildhauer und Akademiemitglied Prof. Tony Cragg. Denn sie eröffnet uns mit ihren neuen Formen und Materialien bislang unbekannte Perspektiven und Freiheiten, „ernährt“ unser Bewusstsein und unsere Sinne. Die Frage in seinem Vortragstitel „‚Was soll das sein?‘ – Kunst im öffentlichen Raum“ bezog sich auf die häufig leidenschaftlichen Proteste des Publikums gegen moderne Kunstwerke auf städtischen Plätzen. Diese Ablehnung stünde in eklatantem Gegensatz zu der klaglos hingenommenen urbanen Hässlichkeit mit ihrer Verarmung an Formen und ihren allzu simplen Materialien.

 

Auch die Kunsthistorikerin Susanne Titz beschäftigte sich mit der kritischen Begutachtung von neuen öffentlichen Kunstwerken. Titel ihres Vortrages war „Platz der permanenten Neugestaltung – das Abenteuer der öffentlichen Selbstreflexion seit den 1990er-Jahren“. Die Direktorin des Städtischen Museums Abteiberg in Mönchengladbach schilderte, welche erstaunlichen Prozesse einige Projekte im Außenraum des Museums in der öffentlichen Wahrnehmung durchlaufen haben. So wurde aus einer verwahrlosten Gasse eine „Traumstraße“ durch eine Lichtinstallation, die auf Wunsch des Publikums zu einer dauerhaften Einrichtung wurde.

 

Aus der Perspektive des Künstlers sprach Akademiemitglied Prof. Mischa Kuball in seinem Vortrag „MAKING THINGS VERY PUBLIC“. Er beschäftigt sich in seinem gesamten Werk mit vergänglicher Kunst im öffentlichen Raum und stellte exemplarische Projekte aus seiner „Materialsammlung“ vor: zum Beispiel die dysfunktionale Straßenbahn „Ghosttram“ in Katowice, „white space/Kritisches Denken braucht Zeit und Raum“ in Leipzig oder die Lichtinstallation „MetaLicht“ an der Bergischen Universität in Wuppertal. Der Professor für Public Art/Öffentlicher Raum an der Kunsthochschule für Medien Köln versteht sich als Bildhauer, der seine Werke beweglich, performativ und überwiegend temporär gestaltet. Er betonte seine Dankbarkeit für die demokratische Qualität der öffentlichen Plätze in Europa, die ihm als Künstler eine große Gestaltungsfreiheit ermöglicht. So hatte er 2007 in Hamburg aus Kostengründen sein Projekt „public square“, eine öffentliche Intervention mit 625 Menschen, als politische Demonstration angemeldet – unter dem Motto „Jede Geste ist politisch“.

 

In der anschließenden Diskussionsrunde konnten Besucher Kommentare zum Thema beisteuern und Fragen an die Vortragenden richten. Die Moderatorin Dr. Vanessa Joan Müller eröffnete im Anschluss daran die Ausstellung „Mischa Kuball: public preposition (Materialsammlung)“, die im Foyer der Akademie bis zum 30. März 2017 zu sehen war.

Videos vom Symposium "Kunst und Öffentlichkeit. Über das sich wandelnde Verhältnis von öffentlichen Räumen" am 16.02.2017

„Nichts ist wo es mal war“ – Förderung von Kunst ohne Werk im Raum ohne Dimension, Dr. Fritz Behrens

„Was soll das sein?“ – Kunst im öffentlichen Raum, Prof. Tony Cragg

 

MAKING THINGS VERY PUBLIC, Prof. Mischa Kuball

Platz der permanenten Neugestaltung - das Abenteuer der öffentlichen Selbstreflektion, Susanne Titz

 

Diskussion: "Kunst und Öffentlichkeit. Über das sich wandelnde Verhältnis von öffentlichen Räumen"

Eröffnung der Ausstellung "Mischa Kuball: public preposition (Materialsammlung)" am 16.02.2017

Ausstellung Mischa Kuball: „public preposition (Materialsammlung)“ (20.02. bis 30.03.2017) - Banner "Kritisches Denken braucht Raum und Zeit"
Symposium „Kunst und Öffentlichkeit. Über das sich wandelnde Verhältnis von öffentlichen Räumen“ (16 Februar 2017) - Begrüßung durch Akademiepräsident Prof. Dr. Wolfgang Löwer
Symposium „Kunst und Öffentlichkeit. Über das sich wandelnde Verhältnis von öffentlichen Räumen“ (16 Februar 2017) - Begrüßung durch den Sekretar der Klasse der Künste, Professor Dr. iur. Dr. h.c. Peter M. Lynen
Symposium „Kunst und Öffentlichkeit. Über das sich wandelnde Verhältnis von öffentlichen Räumen“ (16 Februar 2017) - Einführung und Moderation durch Dr. Vanessa Joan Müller, Kunsthalle Wien
Symposium „Kunst und Öffentlichkeit. Über das sich wandelnde Verhältnis von öffentlichen Räumen“ (16 Februar 2017) -
Vortrag Prof. Bernd Kniess, Studiendekan Urban Design an der HafenCity Universität Hamburg, Themenbereich Städtebau
Symposium „Kunst und Öffentlichkeit. Über das sich wandelnde Verhältnis von öffentlichen Räumen“ (16 Februar 2017) - Vortrag Dr. Fritz Behrens, Präsident der Kunststiftung NRW, Themenbereich Kunstförderung
Symposium „Kunst und Öffentlichkeit. Über das sich wandelnde Verhältnis von öffentlichen Räumen“ (16 Februar 2017) - Vortrag Prof. Tony Cragg, Bildhauer, Themenbereich Bildende Kunst
Symposium „Kunst und Öffentlichkeit. Über das sich wandelnde Verhältnis von öffentlichen Räumen“ (16 Februar 2017) - Vortrag Susanne Titz, Direktorin des Städtischen Museums Abteiberg in Mönchengladbach, Themenbereich Kunsthistorik / Kunstdarstellung
Symposium „Kunst und Öffentlichkeit. Über das sich wandelnde Verhältnis von öffentlichen Räumen“ (16 Februar 2017) - Vortrag Prof. Mischa Kuball, Professor für Public Art / Öffentlicher Raum an der Kunsthochschule
für Medien Köln, Themenbereich Bildende Kunst
Symposium „Kunst und Öffentlichkeit. Über das sich wandelnde Verhältnis von öffentlichen Räumen“ (16 Februar 2017) - Diskussionsrunde mit den Vortragenden, moderiert von Dr. Vanessa Joan Müller. v.l.n.r.: Prof. Mischa Kuball, Vanessa Joan Müller, Prof. Tony Cragg, Prof. Bernd Kniess, Susanne Titz, Dr. Fritz Behrens
Ausstellungseröffnung Mischa Kuball: „public preposition (Materialsammlung)“ (16 Februar 2017)
Ausstellungseröffnung Mischa Kuball: „public preposition (Materialsammlung)“ (16 Februar 2017)
Ausstellungseröffnung Mischa Kuball: „public preposition (Materialsammlung)“ (16 Februar 2017)
Ausstellungseröffnung Mischa Kuball: „public preposition (Materialsammlung)“ (16 Februar 2017)
Ausstellungseröffnung Mischa Kuball: „public preposition (Materialsammlung)“ (16 Februar 2017)
Ausstellungseröffnung Mischa Kuball: „public preposition (Materialsammlung)“ (16 Februar 2017)

Programm

  • Begrüßung:
    Prof. Dr. Wolfgang Löwer, Präsident der Nordrhein-Westfälischen Akademie der Wissenschaften und der Künste
  • Einführung und Moderation:
    Dr. Vanessa Joan Müller
    , Kunsthalle Wien

Vorträge

  • Public Private Imbroglios,
    Prof. Bernd Kniess
    , Studiendekan Urban Design an der HafenCity Universität Hamburg, (Mitglied der Akademie)
  • "Nichts ist wo es mal war" - Förderung von Kunst ohne Werk im Raum ohne Dimension,
    Dr. Fritz Behrens
    , Präsident der Kunststiftung NRW
  • "Was soll das sein?" - Kunst im öffentlichen Raum,
    Prof. Tony Cragg
    , Bildhauer (Mitglied der Akademie)

Pause

  • Platz der permanenten Neugestaltung - das Abenteuer der öffentlichen Selbstreflektion seit den 1990er Jahren.
    Susanne Titz, Direktorin des Städtischen Museums Abteiberg, Mönchengladbach
  • MAKING THINGS VERY PUBLIC,
    Prof. Mischa Kuball, Professor für Public Art / Öffentlicher Raum an der Kunsthochschule für Medien Köln (Mitglied der Akademie)

Im Anschluss an die Impulsvorträge folgt eine Diskussionsrunde mit den Vortragenden, moderiert von Dr. Vanessa Joan Müller

  • Dr. Fritz Behrens
  • Prof. Tony Cragg
  • Prof. Bernd Kniess
  • Prof. Mischa Kuball
  • Susanne Titz

Ausstellungseröffnung:
Mischa Kuball
: public preposition (Materialsammlung)
Begrüßung und Einleitung in die Ausstellung durch Vanessa Joan Müller, Wien.