AWK - Forschungstag des Jungen Kollegs: Energie – Wende zur Nachhaltigkeit

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Forschungstag des Jungen Kollegs: „Energie - Wende zur Nachhaltigkeit“ am 9. November 2018

Die Mitglieder des Jungen Kollegs präsentierten das Thema am 9. November aus verschiedenen Perspektiven: Ein Quantenphysiker, eine Architektin, ein Historiker und eine Medizinerin erläuterten ihre Sicht auf die Ursachen und Folgen einer Wende in der Energiepolitik. Den wirtschaftlichen Blickwinkel verdeutlichte Akademiemitglied Christoph M. Schmidt, Vorsitzender der „Wirtschaftsweisen“, des Sachverständigenrates zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung. Zum ersten Mal konnte die Veranstaltung per Livestream auf Facebook verfolgt werden.

Nach der Begrüßung durch Akademie-Präsident Prof. Dr. Wolfgang Löwer sprach die Staatssekretärin im Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen, Annette Storsberg, ein Grußwort. Sie zog nach zehn Jahren Bestehen des Jungen Kollegs (JK) ein erfreuliches Resumee: „Das Junge Kolleg ist ein wirkliches Erfolgsmodell“, bilanzierte die Staatssekretärin, „weil es beide erklärte Ziele erreicht hat: den exzellenten Nachwuchs in der renommierten Akademie zu fördern und frischen Wind in die ehrwürdige Institution zu bringen.“

Auch der Sprecher des Junges Kollegs, Dr. Steffen Freitag, begrüßte das Publikum und erinnerte an die weitreichenden Folgen, die eine Wende verursachen kann. Als geborener Erzgebirger konnte er aus eigener Erfahrung vom Fall der Mauer berichten, die er als 9-Jähriger erlebte: „Eine Wende bedeutet eine grundlegende Richtungsänderung, nicht nur kleine Veränderungen“, befand der Bauingenieur, der ohne die deutsche Wiedervereinigung kein Mitglied des Jungen Kollegs geworden wäre.
Es führten ein: die JK-Mitglieder Jun.-Prof. Dr. Markus Richter, Bochum, und Dr. Fabian Dielmann, Münster. Sie moderierten auch die Diskussionen zwischen den Vortragenden und dem Publikum.

Die Vorträge:

„Kann aus der Wüste (wieder) Wald werden?“ fragte in seinem Vortrag Dr. Andrea Alberti (JK), Institut für Angewandte Physik an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn. Obwohl Wüsten die ödesten Zonen auf der Welt darstellen, bergen sie doch mit der Sonnenenergie Ressourcen gigantischen Ausmasses. Denn jeden Tag werden die Wüsten durch die Sonneneinstrahlung mit 200 Mal mehr Energie versorgt, als auf der Erde gebraucht wird. Diese enormen Energiequellen nutzbar zu machen, stellt für die Wissenschaft nach wie vor ein großes Forschungsgebiet dar.

 

Jun.-Prof.’ in Dr. Carola Neugebauer (JK), Fakultät für Architektur an der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule Aachen, thematisierte in ihrem Vortrag „Green Infrastructure – ein Ansatz der Stadtplanung gegen Klimawandel und für Klimafolgeanpassung“. Durch die zunehmende Urbanisierung sind die Kommunen gefordert, die Folgen des Klimawandels für die Menschen in den städtischen Regionen zu regulieren. Dach- und Fassadenbegrünungen beispielsweise erzielen messbare Erfolge bei der Verbesserung klimatischer Bedingungen - so zum Beispiel in München und in in Leipzig geschehen.

 

In seinem Vortrag „Nachhaltigkeit als Zeitsinn – oder: Wie die Energiewende auf eine Sinnkrise antwortet“ reflektierte Dr. Jan-Markus Kötter (JK), Lehrstuhl für Alte Geschichte an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, über die komplexen Operationen kultureller Deutungen von Zeit. Kötter zeigte, wie sich durch die Jahrhunderte die Vorstellung von Nachhaltigkeit im Sinne einer Bewahrung der Zukunft veränderte - besonders rasant mit Beginn des 20. Jahrhunderts. Der Mensch hatte durch seine wissenschaftlichen und technischen Erkenntnisse den Himmel erorbert und tauschte Zukunftssorgen gegen Fortschrittsglauben ein. Aber bereits Albert Schweitzer (1875-1965) prophezeite: „Der Mensch hat die Fähigkeit verloren, vorauszuschauen. Er wird am Ende die Erde zerstören.“ Die eigentliche Gefahr für die Zukunft und für die Demokratie sah Kötter jedoch in der Leugnung von wissenschaftlicher Faktizität - dass das Klima sich durch menschlichen Einfluss tatsächlich verändert.

Privatdozentin Dr. Andrea Steinbicker (JK), Klinik für Anästhesiologie, operative Intensivmedizin und Schmerztherapie am Universitätsklinikum Münster, listete in ihrem Vortrag auf, welche „Gesundheitliche Herausforderungen des Klimawandels“ uns erwarten. Zum Beispiel werden Unfälle und Stress durch extreme Wetterereignisse zunehmen, aber auch Allergien und Atemwegserkrankungen. Besonderen Risikofaktoren sind über 70-Jährige ausgesetzt, aber auch Kinder, Pflegebedürftige und akut sowie chronisch Erkrankte. „Klimaschutz“, bilanzierte die Medizinerin daher folgerichtig, „ist deshalb Gesundheitsschutz.“

„Das Vernünftige vernünftig tun: Wege zu einer rationalen Energie- und Klimapolitik“ war das Thema im Vortrag von Prof. Dr. Christoph M. Schmidt. Er ist Mitglied der Akademie, Präsident des RWI-Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung Essen und Vorsitzender des Sachverständigenrates zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung. Das Vernünftige vernünftig tun, definierte Schmidt: Als Regierung und nationale Politik in eine Klimapolitik einsteigen und bei knappen Ressourcen die richtigen Entscheidungen fällen. Zum Beispiel internationale Verabredungen herbeiführen und die Nutzung marktbasierter Instrumente ermöglichen, wie den Zertifikatehandel mit Emissionen. Bisher sei die deutsche Energiewende zu kleinteilig angegangen worden, kritisierte der Wirtschaftsexperte, zu viele Ziele seien formuliert worden, die zu einer Überfrachtung geführt hätten. Er schlug vor, dem Vorschlag des französischen Präsidenten Macron zu folgen und eine deutsch-französische Initiative zu starten.

Leider konnte Akademiemitglied Prof. Dr. Ferdi Schüth, geschäftsführender Direktor am Max-Planck-Institut für Kohlenforschung, Mülheim a.d.R., aus gesundheitlichen Gründen seinen Vortrag nicht halten.

Im Anschluss an den Forschungstag fand die Vernissage zur Ausstellung „Responsibilisation von Rozbeh Asmani und Ale Bachlechner (beide JK) statt.

Die Begrüßung und Einführung in die Ausstellung wurde durch Akademiemitglied Prof. Dr. Dr. h.c. Peter M. Lynen, Düsseldorf, vorgenommen.