AWK - „Responsibilisation“: Ausstellung des Jungen Kollegs vom 9. bis 22. November 2018

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Responsibilisation
Ausstellung von Rozbeh Asmani und Ale Bachlechner (Junges Kolleg) vom 9. bis 22. November 2018

Die Ausstellung von Rozbeh Asmani und Ale Bachlechner wurde im Rahmen des Forschungstages des Jungen Kollegs eröffnet und zeigte die künstlerische Auseinandersetzung mit dessen Thema: „Energie - Wende zur Nachhaltigkeit“. In seiner Begrüßung ließ Akademiemitglied Prof. Dr. Dr. h.c. Peter M. Lynen das Publikum teilhaben an seiner Beschäftigung mit dem Begriff „Responsibilisation“. Dabei lernte er, dass Responsibilisation ein neuer Begriff ist, der die Übertragung von der staatlichen auf eine individuelle Verantwortung beschreibt. Der Staat entledige sich Aufgaben, erläuterte der Jurist Lynen in seiner Einführung, die zuvor bei Institutionen und Autoritäten lagen, und bürde sie seinen Bürgerinnen und Bürgern auf.

Das Individuum erhält dadurch eine tragende Rolle in der Bewältigung von allgemein gesellschaftlichen Problemen. Dazu gehören soziale und ökologische Risiken und Probleme wie Klimawandel, Krankheit, Armut oder Arbeitslosigkeit - diese sind nicht mehr Verantwortungsbereiche des Staates, sondern werden zu Fragen der individuellen „Vorsorge“.

Die Arbeiten von Rozbeh Asmani und Ale Bachlechner, beide Mitglieder des Jungen Kollegs, wählen komplementäre Strategien, um sich mit diesen aktuellen Fragestellungen nach sozialer und ökologischer Verantwortung auseinanderzusetzen. Während Asmanis Objekte, Drucke und Installationen die uns über Gebühr vertraute Formensprache des Kapitalismus verdichten und verfremden, nutzt Ale Bachlechner mit ihrer city center studio-Produktion "Studio Hallo" das populäre Format der dokumentarischen online-Fernsehserie, um das Thema diskursiv und visuell auszuarbeiten.

Beiden Ansätzen ist eigen, dass sie in der Rezeption auf ein Wiedererkennen von Farben, Formen und Logiken setzen. Allerdings auf eines, das sich nicht vollständig einlöst, bei dem ein produktiver Bedeutungsüberschuss entsteht, ein Rest, der sich nicht fügen will.

Die Folge 4 der „Studio Hallo“-Videos wurde in der Akademie erstaufgeführt und war während der Ausstellung im Diskussionssaal zu sehen - die übrigen Ausstellungsobjekte wurden im Foyer der Akademie gezeigt.

 

Ale Bachlechner: STUDIO HALLO Episode 4

Ale Bachlechner / city center studio alebachlechner.com

"Studio Hallo" ist ein performatives, post-dokumentarisches online Fernsehformat. Mit Ideen und Keimen, die man gerne verbreitet. „Die Leute sagen: Wenn etwas wie "Studio Hallo" plötzlich aufploppt, kann das ein Schock sein oder eine Art Weckruf. Oder auch der Eindruck von bloßem Wohlbefinden - eine namenlose Verdichtung von Gedanken und Gefühlen. Oder ein Alibi für die ganze Gewalt, Ungleichheit und den sozialen Wahnsinn, die sich offen in der Oberfläche der gewöhnlichen Dinge verstecken. Oder eine Flucht vor der abstumpfenden Routine und den selbstzerstörerischen Strategien des Weitermachens.”

Die vier Folgen nutzen Straßenbefragungen, Choreographien, dokumentarisches Material und Improvisationen um sich mit dem Wetter, mit Krankheit, Ungleichheit, Angst, der Frage nach gesellschaftlicher Teilhabe und Verantwortung auseinanderzusetzen. Folge 4 wurde teilweise in den Räumlichkeiten der Nordrhein-Westfälischen Akademie der Wissenschaften und Künste gedreht, deren Diskussionssaal, mit seiner kreisrunden Architektur, ein Ideal vom Dialog auf Augenhöhe verkörpert, wie es sich auch in den Sälen von politischen Entscheidungsgremien häufig wiederfindet. In „Studio Hallo“ befragen PerformerInnen diese räumliche Anordnung danach, welche Erwartungen und Hoffnungen sich konkret mit ihr verknüpfen und wo ihre Limitationen liegen.

„Studio Hallo“ wurde konzipiert und realisiert von city center studio Created by: Ale Bachlechner, Jonathan Kastl & Felix Zilles-Perels

Performers: Elsa Artmann, Ale Bachlechner, Samuel Duvoisin, Franz-Xaver Franz
Camera: Ale Bachlechner, Paul Faltz, Jonathan Kastl
Editing: Ale Bachlechner, Jonathan Kastl
Stagedesign: Wiebke Strombeck
Animation: Stefan Ramírez Pérez
Music: Julian Prießen, Jonathan Kastl

Thanks to: Benjamin Ramírez Pérez

http://studiohallo.de/

Das Video "Studio Hallo Folge 4" kann nach Voranmeldung in der Akademie angesehen werden. Kontakt: dirk.borhart@awk.nrw.de

Rozbeh Asmani

https://rozbehasmani.de

Was zunächst wie ein harmloses Wolkenbild aussieht, entpuppt sich beim zweiten Hinsehen als Dokumentation von Aneignungsstrategien. Das Wandbild „Himmelblau“ und eine Serie von Siebdrucken von Tankstellen zeigt die Anwendung der durch große Mineralölkonzerne markenrechtlich gesicherten Farben. 16 Kohlebriketts aufgereiht in einem Bündel sind als dreidimensionale Form beim Marken- und Patenmtamt eingetragen. Der zweitgrößte deutsche Energielieferant hat sich diese Marke juristisch gesichert. In seinen Abgüssen eignet sich Rozbeh Asmani diese Form an. Die Plastiken wurden aus „REA-Gips“ gegossen, dass bei der Entschwefelung von Abgasen in deutschen Braun- und Steinkohlekraftwerke abfällt. Anschließend wurden sie mit „Lakritzextrakt“ beschichtet, jenem schwarzen Gold, das aus dem natürlichen Saft der Süßholzwurzel beseht und am besten in der heißen Erde des Irans, der Heimat des Künstlers, gedeiht. Mit der Verwendung dieser Materialien kommentiert Rozbeh Asmani mit einem Augenzwinkern die geopolitische Situation fossiler Rohstoffe.

Rozbeh Asmani: Colourmarks Columns, 2018

360 cm (Höhe), 108 cm (Durchmesser)
Gewicht: 3 Tonnen
Säule: Historische Litfaßsäule, Beton, Papierschale
Plakatierung: 12 Colourmarks, 4C Druck auf Affichen, je 84,1×118,9 cm
35 Unikate in Serie