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04.09.2020

Akademie-Stipendium: Diplom-Physikerin promoviert in Philosophie

Margarete Neuhaus war Promotionsstipendiatin im „Averroes-Projekt“ des Thomas-Instituts der Universität zu Köln, einem Forschungsvorhaben des Akademienprogramms in NRW. Vor Kurzem hat sie ihre Dissertation erfolgreich verteidigt. Ein Porträt über eine Nachwuchswissenschaftlerin mit einem besonderen Bildungsweg.

Vor neun Jahren hat Margarete Neuhaus eine mutige Entscheidung getroffen. Sie gab ihre Stelle als Werkstoffingenieurin bei der Siemens AG auf und schrieb sich für ein geisteswissenschaftliches Studium an der Universität Bonn ein. Seit wenigen Wochen hat die 42-Jährige nun ihr Promotionsprojekt abgeschlossen.

Die Nordrhein-Westfälische Akademie der Wissenschaften und der Künste hat die Nachwuchswissenschaftlerin auf ihrem zwar ungewöhnlichen aber auch sehr erfolgreichen Weg zur Promotion unterstützt. Sie war Stipendiatin des Akademienprogramms in NRW. Bis zu vier Stipendien dieser Art vergibt die Akademie pro Jahr. Die Begünstigten haben nicht nur ihr Studium mit überdurchschnittlichen Leistungen abgeschlossen, sie erbringen mit ihrem Promotionsvorhaben auch einen bedeutsamen Beitrag für die Forschung in einem laufenden nordrhein-westfälischen Forschungsprojekt des Akademienprogramms.


Wissenschaftlicher Anschluss während der Dissertation

Als sich Margarete Neuhaus um das Promotionsstipendium bewarb, arbeitete sie bereits seit einem Jahr als Wissenschaftliche Hilfskraft in dem am Thomas-Institut der Universität zu Köln angesiedelten Akademieprojekt „Averroes (Ibn Rušd) und die arabische, hebräische und lateinische Rezeption der aristotelischen Naturphilosophie“. Es ist eines von aktuell 13 Forschungsvorhaben im Rahmen des Akademienprogramms in NRW. Der arabische Gelehrte Ibn Rušd (latinisiert: Averroes) kommentierte im 12. Jahrhundert nahezu alle Schriften des Aristoteles und erschloss sie damit Gelehrten in ganz Europa. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des „Averroes-Projektes“ edieren und erforschen bisher unerschlossene Aristoteleskommentare des Averroes.

Für Margarete Neuhaus kam das Stipendium genau zum richtigen Zeitpunkt. Die Nachwuchswissenschaftlerin ist sich sicher, dass sie ihre Promotion ohne den monatlichen Zuschuss von 1.250 Euro nicht so schnell abgeschlossen hätte. Ihre Dissertation trägt den Titel „Der Begriff der ‚dimensiones interminatae‘ im lateinischen Hoch- und Spätmittelalter“. Dieser Begriff stammt aus der lateinischen Übersetzung des Averroes. „Das Stipendium in Kombination mit einer reduzierten Stundenzahl meiner Tätigkeit am Thomas-Institut hat es mir ermöglicht, dass ich mich stärker auf meine Dissertation konzentrieren konnte, ohne ganz den wissenschaftlichen Anschluss zu verlieren“, erläutert die Philosophin. Gerade dieser wissenschaftliche Anschluss macht für Margarete Neuhaus den großer Mehrwert der Promotionsstipendien aus. „Man arbeitet als Doktorand in einem Team und diskutiert seine Arbeitsergebnisse mit den Kolleginnen und Kollegen“, erklärt sie. Das bringe die eigene Forschung voran und helfe dabei, Fehler frühzeitig zu erkennen. „Es ist wunderbar, dass die Akademie das möglich macht“, sagt sie.


Kombination aus technischem und philosophischem Wissen

Innerhalb des „Averroes-Projektes“ beschäftigte sich Margarete Neuhaus vor allem mit der Transkription von Texten. Die Übertragung der teils handschriftlichen Quellen ist eine umfangreiche Arbeit. „Hier war mein technischer Hintergrund hilfreich“, sagt sie. Denn Margarete Neuhaus hat nicht nur einen Abschluss in Philosophie, sondern als ehemalige Werkstoffingenieurin auch ein Diplom in Physik. So konnte sie sich bei der Transkription OCR (Optical Character Recognition) Software zu Nutze machen, mit deren Hilfe sie Modelle zur automatischen Texterkennung generierte und einsetzte.

Mit ihrer erfolgreichen Promotion hat Margarete Neuhaus gezeigt, dass auch in der Bildung der kürzeste Weg nicht immer der beste und vor allem nicht der einzige sein muss. Manchmal lohnt sich ein Umweg. Die Kombination aus technischem und philosophischem Wissen ist jedenfalls eine besondere Qualifikation, die sicher auch in anderen Forschungsprojekten gefragt ist.